Ein sicherer Ort für die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen

Im Januar 2024 wurde die ForuM-Studie zur sexualisierten Gewalt in der evangelischen Kirche veröffentlicht. Bärbel Hoffmann, Geschäftsführerin für Kinder, Jugend und Familie bei der Diakonie Wuppertal, spricht im Interview über Schutzkonzepte und Präventionsmaßnahmen.

Was unternimmt die Diakonie zum Schutz gegen sexualisierte Gewalt?

Bärbel Hoffmann: Die Diakonie Wuppertal hat sich früh intensiv mit dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Übergriffen beschäftigt. Seit 2007 arbeiten wir an Schutzkonzepten. Mit dem Kinder- und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetz (KICK) wurde der Schutzauftrag konkretisiert. 2014 schlossen die freien Jugendhilfeträger eine Vereinbarung gemäß § 72a SGB VIII mit dem Jugendamt.
In der stationären Jugendhilfe und in den Kindertageseinrichtungen sind Schutzkonzepte für die Betriebserlaubnis Pflicht. Wir arbeiten mit besonders schutzbedürftigen jungen Menschen zusammen. Es ist daher unsere Verantwortung, dass unsere Einrichtungen sichere Orte für die uns anvertrauten Kinder und Jugendliche und für unsere Mitarbeitenden sind.


Was beinhaltet das Konzept denn konkret? Können Sie ein Beispiel aus dem Konzept nennen?

Bärbel Hoffmann: Wir haben eine gemeinsame Haltung erarbeitet und im Leitbild der Diakonie Wuppertal festgeschrieben. Der Schutz der jungen Menschen vor sexueller Selbstbestimmungsverletzung und Gewalt ist die wichtigste Aufgabe. Die Schutzkonzepte umfassen Risikoanalysen, Fortbildungen, Präventionsangebote, Beteiligungsverfahren, Handlungs- und Notfallpläne, Beschwerdemanagement, einen Kinderrechtekatalog und ein sexualpädagogisches Konzept. Wichtig ist, dass wir das Schutzkonzept auch in den Teams leben und regelmäßig überprüfen. Fachkräfte müssen sehr wachsam sein, um potenziell gefährdende Situationen oder Grenzüberschreitungen zu erkennen. So wie zum Beispiel beim Zubettbringen im stationären Bereich: Ab wann kann ein Körperkontakt problematisch sein? Wie vermeiden wir Situationen, bei denen sich jemand unwohl fühlt? Es ist wichtig, Grenzen zu setzen und die Grenzsetzung der Kinder zu respektieren.


Wie kann das gelingen?

Bärbel Hoffmann: Alltagssituationen werden offen besprochen. Wenn ein Kind weint, ist es wichtig, vorher zu fragen, ob es in den Arm genommen werden möchte. Achtsamkeit und Respekt im Umgang mit den Kindern sind entscheidend. Fachkräfte sollten die Kinder ermutigen, ihre Anliegen zu äußern, und ihnen beibringen, dass ein „Nein“ akzeptiert wird.
Die Fachkräfte im Team sollten außerdem immer aufmerksam sein und die Kinder in den Gruppen ermutigen wir: Sprecht uns an, wenn etwas nicht gut läuft. Wir informieren die Kinder und Jugendlichen darüber, was Erwachsene tun dürfen und was nicht.


Die Diakonie Wuppertal ist regionaler Ansprechpartner für Betroffene?

Bärbel Hoffmann: Ja, die Evangelische Beratungsstelle bietet Betroffenen Beratung an. 2023 haben wir eine spezialisierte Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt geschaffen. Ab Juni unterstützt die Sozialpädagogin Anja Jünkersfeld als Vertrauensperson für Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdung und sexueller Gewalt den Kirchenkreis Wuppertal.


Was passiert, wenn sich jemand an die Beratungsstelle wendet?

Bärbel Hoffmann: Wenn Betroffene von der Landeskirche an uns verwiesen werden, beraten wir sie und weisen auf staatliche und kirchliche Hilfsmöglichkeiten hin. Wir arbeiten mit der Fachstelle für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung (FUVSS) der Diakonie RWL und der Hauptstelle „help“ der EKiR zusammen.

 

Die KJF hat 88 Plätze für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 21 Jahren in der stationären und teilstationären Jugendhilfe. In der ambulanten Jugendhilfe werden 1.130 Familien begleitet. In den Kindertagesstätten der Diakonie gibt es 1271 Plätze.


Text: Nikola Dünow, Öffentlichkeitsreferat Ev. Kirchenkreis Wuppertal

Kontakt für Ihre Rückfragen:
Bärbel Hoffmann, Geschäftsführerin Diakonie Wuppertal Kinder - Jugend - Familie gGmbH
Telefon: 0202 / 97 444 - 1411 E-Mail: bhoffmann@diakonie-wuppertal.de