Gut vorbereitet für den Abschied: Beratung für die letzte Lebensphase

Alle Menschen möchten in Würde sterben – auch im Pflegeheim. Damit das gelingt, beraten Lisa Kunze und Jana Baumgärtner Bewohner:innen und ihre Angehörigen in den Einrichtungen der diakonischen Altenhilfe Wuppertal.

GVP-Beraterinnen Jana Baumgärtner und Lisa Kunze

Über den eigenen Tod redet niemand gern, auch wenn er für viele Menschen in Seniorenheimen näher rückt. Doch gerade die letzte Lebensphase will geplant sein, damit nicht das passiert, was Lisa Kunze jahrelang als Intensivschwester erlebt hat: „Wenn im Vorfeld keine klaren Absprachen getroffen wurden, stehen Angehörige, Pflegekräfte und Ärztinnen oft vor vielen medizinischen und ethischen Entscheidungen, die sie gemeinsam unter Zeitdruck klären müssen. Das führt häufig zu Behandlungen, die die betroffene Person nicht gewollt hätte.“

Weil die 31-jährige Intensiv- und Palliativpflegerin möchte, dass sich diese Art des Sterbens ändert, hat sie sich zur GVP-Beraterin ausbilden lassen. GVP steht für „Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“ und ist ein Angebot, das 2018 im Rahmen des Hospiz- und Palliativgesetzes eingeführt wurde. Immer mehr Alten- und Pflegeheime in Deutschland bieten die kostenfreie Beratung inzwischen an. 

Beratung mit „Vorsorge-Puzzle“

Bei der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal sind Lisa Kunze und ihre 36-jährige Kollegin Jana Baumgärtner seit Oktober 2025 dafür zuständig. Die beiden jungen Frauen gehen regelmäßig in die diakonischen Einrichtungen, um Beratungstermine mit den Bewohner:innen und ihren Angehörigen zu vereinbaren. „Wir erhalten viel positives Feedback, sodass sich inzwischen immer mehr Menschen auch direkt bei uns melden“, erzählt Jana Baumgärtner.

Da in die Beratung auch das Ärzteteam und die Pflegekräfte der jeweiligen stationären Einrichtung eingebunden sind, gibt es meistens mehrere Treffen. Dabei wird ein sogenanntes „Vorsorge-Puzzle“ abgefragt. Gibt es einen Notfallplan, eine Patienten- und Betreuungsverfügung und eine Vollmacht? Ist eine Organspende angedacht und welche Wünsche und Wertvorstellungen haben die jeweiligen Bewohner:innen für ihre letzte Lebensphase?

Alle Wünsche in einer Mappe

„Unsere Beratung ist umfangreich und intensiv“, erklärt Lisa Kunze, „weil wir nicht nur Informationen weitergeben, sondern auch dabei helfen, die notwendigen Formulare auszufüllen und alles schriftlich, digital und analog in einer Mappe festzuhalten, die dann im Notfall nur noch heruntergeladen oder aus dem Regal herausgezogen werden muss.“

Neben medizinischen und pflegerischen Abläufen, die gewünscht sind, wird auch die psychosoziale Versorgung berücksichtigt. „Wir fragen etwa danach, was jemand am Ende seines Lebens braucht“, berichtet Jana Baumgärtner. „Manche möchten dann nicht alleine in ihrem Zimmer sein, andere wünschen sich Ruhe.“ Auch die Religion spiele bei alten Menschen eine Rolle, erklärt die Sozialpädagogin. So werde nicht selten um eine seelsorgerliche Begleitung gebeten. „Manche legen auch fest, dass ihnen ihr Lieblingsgedicht vorgelesen oder ein bestimmtes Schmuckstück angelegt wird.“

Immer gehe es darum, dass der Wille der Bewohner:innen verbindlich festgehalten wird, betonen die beiden Beraterinnen, „damit alle, die sie später umsorgen und pflegen, danach handeln können“. 

Selbstbestimmt leben und sterben

Dies sollte möglichst früh nach der Aufnahme in ein Seniorenheim erfolgen. Denn Studien zeigen, dass die Verweildauer oft kurz ist. So sterben rund 20 Prozent aller Bewohner:nnen bereits innerhalb der ersten vier Wochen nach der Heimaufnahme, nach einem Jahr ist es knapp die Hälfte.

Rund ein Viertel der deutschen Altenheimbewohner verstirbt im Krankenhaus – oftmals, weil Pflegekräfte und Angehörige nicht gut auf die letzte Lebensphase vorbereitet und damit überfordert sind. In der diakonischen Altenhilfe Wuppertal wird schon seit über zehn Jahren mit Palliativ- und Sterbebegleitungsschulungen durch den Hospizdienst „Die Pusteblume“ daran gearbeitet, dass sie in ihrer gewohnten Umgebung sterben können. 

Die Gesundheitliche Versorgungsplanung ist ein Baustein in diesem Konzept. Lisa Kunze und Jana Baumgärtner wünschen sich, dass dieses Angebot nicht nur Heimbewohner:innen, sondern auch all jenen gemacht wird, die ambulant gepflegt werden. Doch dafür brauche es politischen Willen und die Umsetzung durch den Gesetzgeber. „Es geht doch darum, dass wir bis zuletzt selbstbestimmt leben können“, betonen sie. „Und dazu gehört eben auch unser Sterben.“

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Fotos:

Der Beitrag bildet den Auftakt unserer diesjährigen Reihe Abschiedskultur in unseren Diensten und Einrichtungen, in der wir im Laufe des Jahres verschiedene Aspekte von Sterbe-, Trauer- und Abschiedsbegleitung in den Einrichtungen und Angeboten der Diakonischen Altenhilfe vorstellen möchten.

 

Text
Sabine Damaschke

Fotos
Sabine Damaschke/GVP 

Ansprechperson für Rückfragen
Katharina Ruth
Leitung Hospizdienst Pusteblume
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