Quartier der Möglichkeiten

Bei einem "Markt der Möglichkeiten" präsentierten Vereine, Institutionen und engagierte Privatleute ihre aktuellen Projekte bei der Stadtteilkonferenz Oberbarmen/Wichlinghausen.

Es gibt nichts, was es nicht gibt: Diesen Eindruck bekamen die Gäste bei der Stadtteilkonferenz Oberbarmen / Wichlinghausen am 14. November 2019. In Kooperation mit dem Arbeitskreis Klingholzberg fand das Treffen von hundert Aktiven im Forum Langerfeld statt. Bei einem „Markt der Möglichkeiten“ präsentierten Vereine, Institutionen und engagierte Privatleute ihre aktuellen Projekte.

Diese Form des Austauschs wurde bei der der Stadtteilkonferenz erstmalig genutzt. „Zur Vorstellung von Projekten ist das genial“, lobte Dagmar Küster. Als Vertreterin für die „Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung“ (EUTB) war sie zum ersten Mal bei einer Stadtteilkonferenz in Oberbarmen / Wichlinghausen.

Auch die Wichlinghauser Kicker nahmen erstmalig an der großen Versammlung teil. „Wir ziehen bald vom Sportplatz Clausewitzstraße zum Sportplatz Mallack um“, berichtet Bastian Wescher vom Vorstand. Um bekannter zu werden und Unterstützung für die Jugendarbeit zu finden, waren sie mit ins Forum gekommen – und wurden nicht enttäuscht. Sie kamen mit vielen Netzwerkpartner*innen ins Gespräch und konnten ihre Angebote für Geflüchtete auch Sozialdezernent Dr. Stefan Kühn vorstellen. Quartiersmanager Andreas Röhrig, der mit Sabine Münch vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) die Veranstaltung moderierte, erhielt viel positive Rückmeldung für die neue Form der Stadtteilkonferenz. „Die Leute haben Lust auf Austausch und Informationen. Aber der Input war bei den letzten Stadtteilkonferenzen einfach so viel, dass wir über ein neues Format nachgedacht haben.“

Jeannette Remberg-Trump, ebenfalls SkF, hob hervor, dass es darum gehe, Menschen zu beteiligen.  Der Markt der Möglichkeiten erwies sich als optimale Wahl. Jede Person oder Gruppe, die etwas mitteilen wollte, konnte auf einem Tisch Informationen ausbreiten und das Projekt und sich selbst vorstellen. Damit jeder jeden kennenlernen konnte, gab es zwei Durchgänge. Zunächst präsentierte sich die eine Hälfte und die andere ging herum. Dann folgte ein Wechsel. Positiver Nebeneffekt: Man sah direkt mindestens ein Gesicht zum Projekt.

Ein bisschen theoretischen Input gab es trotzdem. Margret Hahn, Vorsitzende des Bürgervereins Langerfeld, und der Bildhauer Robert Kaller erklärten, wie das neue Kunstwerk an der Gesamtschule Langerfeld entstanden ist. Dieses wurde über den Verfügungsfonds der Sozialen Stadt Oberbarmen / Wichlinghausen finanziert, da der Bereich Hilgershöhe, wo sich Schule und Skulptur befinden, ebenfalls in die Förderkulisse gehören. Viele Bürger*innen aus dem Quartier haben an der Entstehung mitgewirkt. „Mit diesem Kunstwerk wollten wir das bürgerschaftliche Engagement stärken“, zählte Margret Hahn einen von vielen Gründen der Entstehungsgeschichte auf. Über allem stand aber der Gedanke einer „lebendigen Erinnerungskultur“. Denn das Kunstwerk namens „Gespräch dreier Formen“ wurde gegenüber der Siedlung Anne-Frank-Hof errichtet, wo früher das Europadorf stand. Erinnert werden soll unter anderem an das jüdische Mädchen Anne Frank, das von den Nazis ermordet wurde. „Trotz ihres schlimmen Schicksals war sie ein positiv denkender Mensch“, berichtete Robert Kaller. Er betonte, dass es wichtig sei, miteinander zu reden – wie das Kunstwerk symbolisiere. Und dass Unterschiede eine Gesellschaft bereichern. Offizielle Einweihung  von „Gespräch dreier Formen“ soll am 15. Mai 2020 sein.

Ebenfalls theoretisch, aber kurzweilig, wurde der Vortrag von Lukas Meier vom Vier Zwo Zwo Quartierbüro (in Trägerschaft der Diakonie Kinder – Jugend – Familie). Er hatte im Sommer eine Befragung im Quartier durchgeführt. Von 105 Passant*innen wollte er zum Beispiel wissen, wie heimisch sie sich in Oberbarmen und Wichlinghausen fühlen, wo ihre Lieblingsorte sind und wo sie Probleme sehen. Die Ergebnisse präsentierte er auf der Stadtteilkonferenz. Heraus gekommen ist einerseits, dass 86 Prozent der Befragten sich (eher) heimisch fühlen. Andererseits sehen viele den Berliner Platz als Vermeidungsort und nehmen wahr, dass es Vorurteile gegen ihren Stadtteil gibt. Lieblingsorte sind die Trasse und der Nordpark. Bei den einen beliebt ist und von anderen gemieden wird der Wichlinghauser Markt. Die gute Verkehrsanbindung wird als Stärke des Quartier betrachtet. Interessant ist, dass es viele kleine Lieblingsorte gibt (29 verschiedene) und nur 11 Orte, die eher gemieden werden. Außerdem finden nur 23 Prozent der Befragten, dass im Stadtteil die Schwächen überwiegen, jedoch 49 Prozent finden, dass die Stärken überwiegen. Der Rest findet es ausgeglichen.

Hinter der Überschrift „Hömma, wat macht ihr denn?“ verbarg sich der neue „Kalender“, den das Quartierbüro konzipiert hat. Dieser Kalender soll alle Veranstaltung – ob regelmäßig oder einmalig – abbilden. Dafür erhalten Aktive im Quartier in Kürze eine Excel-Tabelle, in der sie ihre Termine eintragen können. Die einzelnen Angaben werden dann vom Quartierbüro zu einer großen Tabelle zusammengefügt, die man später nach Zielgruppen und anderen Kriterien filtern kann. Darin wird sicherlich auch die nächste gemeinsame Stadtteilkonferenz zu finden sein – vielleicht sogar wieder mit einem Markt der Möglichkeiten.

Text und Fotos: vierzwozwo