Patientenwohl muss im Vordergrund stehen

Die Diakonie RWL sieht die Gesundheits- und Krankenhausversorgung in Nordrhein-Westfalen vor großen Herausforderungen.

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Düsseldorf, 12. September 2019. Die Diakonie RWL begrüßt grundsätzlich die Absicht von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, auf der Basis des heute vorgestellten Gutachtens einen neuen, zukunftssichernden Krankenhausplan zu erarbeiten. Vordergründig auf Kapazitätsabbau und Klinikschließungen zu setzen, wäre aber keine seriöse Krankenhausplanung.

Die Diakonie RWL sieht die Gesundheits- und Krankenhausversorgung in Nordrhein-Westfalen vor großen Herausforderungen. Stichworte dafür sind die demografische Entwicklung, der Fachkräftemangel, eine seit Langem nicht auskömmliche Investitionsfinanzierung durch das Land, aber auch die Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse in städtischen und ländlichen Regionen. Alle Pläne müssen sich daran messen lassen, ob sie zu einer qualitativen Verbesserung der Versorgung führen.

Das Patientenwohl ist für die Diakonie oberster Maßstab in allen Fragen zu einer Neuordnung der Krankenhauslandschaft. Aus Sicht der Diakonie ist und bleibt Wohnortnähe ein wichtiger Faktor. Älteren, wenig mobilen Menschen, die das Gros der stationären Patientinnen und Patienten stellen, ist eine mehr als zwanzigminütige Fahrtzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus nicht zuzumuten. Die Krankenhausplanung der Zukunft muss nach Überzeugung der Diakonie einen sektorenübergreifenden Ansatz verfolgen und eingebettet sein in eine gesundheitliche Versorgungsplanung. Digitale Angebote können die Versorgung unterstützen.

Evangelische Krankenhäuser versorgen zu einem überdurchschnittlichen Anteil besonders verletzliche Gruppen wie hochaltrige Menschen, chronisch und mehrfach Erkrankte oder psychisch kranke und traumatisierte Menschen. Hier sind die nachhaltigen Versorgungskonzepte der evangelischen Träger von besonderem Wert. Evangelischer Pluspunkt ist auch das große Netzwerk an vor- und nachsorgenden Angeboten.

Elke Grothe-Kühn, Leiterin Geschäftsfeld Krankenhaus und Gesundheit beim Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V., hebt hervor: „Leitmotiv für jede Krankenhausplanung muss das Wohl der Patienten sein. Strukturveränderungen sind sicher notwendig. Im Mittelpunkt der Reformen müssen nachhaltige Versorgungskonzepte stehen, die in und für die Regionen entwickelt werden und die Menschen überzeugen. Falsch wäre es, die gute soziale Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen, zu der Krankenhäuser gehören, ohne Not zu zerschlagen und die Bürger so verunsichert zurückzulassen.“ Die Krankenhaus-Expertin weist darauf hin, dass Wahlfreiheit für die Patienten und Trägervielfalt in der Kliniklandschaft hohe Güter sind. Auch Strukturveränderungen seien nicht zum Nulltarif zu haben. Zudem seien evangelische Krankenhäuser große und bedeutende Arbeitgeber, die überdurchschnittlich in die Ausbildung von Fachkräften investieren und auch so für Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen einstehen.

Hintergrund

Die evangelischen Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen spiegeln die Vielfalt der gesamten Krankenhauslandschaft wider. Es gibt Grundversorger und Maximalversorger, spezialisierte Fachkliniken, psychiatrische Krankenhäuser wie auch Allgemeinkrankenhäuser. Von 344 Kliniken in NRW werden zurzeit 57 von evangelischen Trägern betrieben. Das sind 16,5 Prozent der Kliniken, die mit 20.000 Betten und Plätzen in den somatischen und psychiatrischen Disziplinen zur Versorgung der Bevölkerung beitragen.

Diakonie RWL

Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. ist der größte diakonische Landesverband und einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Es erstreckt sich über Nordrhein-Westfalen, Teile von Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen. Die Diakonie RWL repräsentiert 4.900 evangelische Sozialeinrichtungen, in denen 330.000 Mitarbeitende hauptamtlich oder ehrenamtlich tätig sind.

Text: Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. – Diakonie RWL
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