Ob Gott sich die richtigen Leute ausgesucht hat?

„Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR“ - so steht es dieser Tage in den Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine (23. Juli, Jesaja 43,10).

Ob das so eine gute Idee ist? Ob Gott sich da die richtigen Leute ausgesucht hat? Ich stelle mir Gott unendlich weise, liebevoll, barmherzig, menschenfreundlich, großzügig vor. Uns Menschen habe ich manchmal auch schon anders kennengelernt.

Ich will da nicht für Sie sprechen, aber von mir selber kenne ich auch ein paar schwierige Seiten. Es gibt Menschen, mit denen komme ich einfach nicht zurecht. Und das liegt nicht immer an den anderen. Und die, mit denen ich zurechtkomme, müssen auch manches aushalten. Meine Liebe hat Grenzen. Meine Weisheiten sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Meine Worte treffen nicht immer den Ton und nicht immer die Sache. Auch dann nicht, wenn ich von meinem Glauben erzähle.

Aber vielleicht kommt es gar nicht darauf an, ob alles immer richtig ist. Vielleicht ist es Teil der Menschenfreundlichkeit Gottes, dass er fehlbaren und begrenzten Menschen die Chance gibt, in einer konkreten Situation etwas Liebevolles, Hoffnungsstarkes, Glaubensreiches zu tun oder zu sagen. Ohne Garantie, dass es nicht auch nach hinten losgehen kann.

Zeugen Gottes zeigen nicht, zu welcher Vollkommenheit sich Menschen aufschwingen können. Sie zeigen, dass da einer ist, der auch unvollkommene Menschen achtet, für den Bedürftige und Schwache nicht weniger wert sind.

Sie zeigen das, indem sie die Stimme erheben für die, die sonst keiner hört. Sie zeigen das, indem sie ganz handfest mit anpacken. Sie zeigen das, indem sie ihre eigenen Grenzen nicht verstecken. Und indem sie erzählen von der Hoffnung, die sie trägt und von dem Glauben, der sie beflügelt.

Matthias Stempfle ist Prediger in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Wuppertal.