Lukas 14,15-24 Das große Abendmahl

Digitale Andacht mit Pfarrerin Isabell Berner-Paul. Die Reihe unserer Online-Andachten gibt Halt und Mut in dieser schweren Zeit der Corona-Pandemie.

Symbolbild

Ein großer Tisch, festlich gedeckt und mit guten Sachen beladen. Ein Tisch, bereit für feiernde, essende, trinkende Menschen. Ein Hausherr, der alles liebevoll vorbereitet hat, wartet auf seine Gäste. Und dann das Desaster: Niemand kommt. Alle haben etwas Besseres vor.

Über die Gründe der Absagen kann man spekulieren. Mögen die Eingeladenen den Gastgeber nicht? Sind seine Feste langweilig? Oder passt ihnen die Gesellschaft nicht?

Vielleicht ist auch nur der Termin einfach ungünstig.

Jedenfalls: Der Tisch bleibt leer.

Ein trauriges Bild.

Doch der Hausherr überwindet seine Enttäuschung. Er zieht sich nicht beleidigt zurück. Er will seinen Tisch voll sehen. Und deshalb lädt er erneut Gäste ein.

Als wir früher Kindergeburtstage gefeiert haben, gab es immer zwei Listen: Eine mit der ersten und eine mit der zweiten Wahl der Gäste. Und wenn viele der ersten absagten, kamen die zweiten dran. Die von der Warteliste. Hauptsache, die Gästezahl stimmte am Ende.

Daran erinnert mich das Tun des Hausherrn hier. Auf seiner zweiten Liste stehen die Armen, die wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben an einem so festlich und reich gedeckten Tisch saßen. Die Kranken und Gäste mit einer Behinderung. Die, die nicht so sauber essen und trinken können, so dass sich Gesunde neben ihnen eher belästigt fühlen. So ein Elend neben meinem Teller, nein danke. Da muss ich doch sehen, ob ich einen Teil meiner Ausgaben fürs Essen wiederbekomme, wegen zu wenig Spaß.

Sie strömen herein, trauen sich wohl erst kaum, Platz zu nehmen, fragen sich, ob sie hier wirklich richtig sind. Doch als sie alle sitzen, sieht der Hausherr: Es gibt immer noch Platz.

Jetzt kommt die dritte Liste: Die von draußen vor der Stadt. Die ohne Dusche und sauberes Bett. Die, die nicht mehr wissen, wie es ist, ein Dach über dem Kopf zu haben. Die, die sonst immer nur von draußen zusehen. Die, an denen wir normalerweise vorbeigehen.

Gottes Festtafel: Ein Tisch, an dem Menschen sitzen, die auf den ersten Blick nicht an ihn gehören. Menschen von der zweiten und dritten Liste.

Menschen wie wir.

Denn für Lukas, der das Gleichnis Jesu hier erzählt, sind wir solche von den Ersatzlisten. Die ersten Gäste, die nicht kommen wollen, stehen für die Zeitgenossen Jesu, die ihn abgelehnt haben.

Die von der zweiten und dritten Liste sind die, die sich über die Einladung freuen. Die wissen, dass sie auf Gott angewiesen sind, weil sie sonst nichts haben. Denn auch dafür kann das Bild der Armut stehen. Die von weit herkommen. Die draußen vor der Stadt leben. Wichtig ist, dass sie gerne zu Gottes Fest gehen. Auch wenn sie dort mit Leuten zusammenkommen, denen sie sonst nicht begegnen würden. Denn das ist gerade ein Charakteristikum dieses Festes: dass es für uns alle veranstaltet wird, ohne Ansehen der Person. Der Theologe Karl Barth wurde einmal gefragt: Sehen wir unsere Lieben nach unserem Tod wieder? Und er antwortete: Ja, aber nicht nur die.

Die Tische wurden alle voll. Obwohl viele nicht kommen wollten. Das ist auch eine tröstliche Vorstellung, finde ich. Gottes Fest wird stattfinden. Auch wenn es nicht immer so aussieht, gerade heute. Gott wird Wege finden, seine Einladung zu den Menschen zu bringen. Er wird feiern. Mit uns. Und ein Zeichen dafür, dass wir uns darauf verlassen können, ist das Abendmahl, bei dem wir heute noch jedes Mal den Satz sagen: Kommt, denn es ist alles bereit!

21. August 2020
Pfarrerin Isabell Berner-Paul

Isabell Berner-Paul ist Pfarrerin in der Ev. Kirchengemeinde Wuppertal-Elberfeld-West.