Jetzt ist noch nicht Himmelfahrt

Digitale Andacht mit Pfarrer Martin Gebhardt. Die Reihe unserer Online-Andachten gibt Halt und Mut in dieser schweren Zeit der Corona-Pandemie.

Auf einer Karte, die auf meinem Schreibtisch steht, sieht man Charlie Brown und Snoopy auf einem Bootssteg sitzen, sie schauen aufs Wasser. Charlie Brown: „Eines Tages werden wir alle sterben, Snoopy!“ Snoopy: „Das ist wahr, aber an all den anderen Tagen nicht.“ Ähnliche Töne schlug in den letzten Wochen Sebastian Pufpaff mit seiner Sendung „Noch nicht Schicht“ an. Statt Weltuntergangsstimmung zu verbreiten sollte man aus seinen Tagen das beste machen.

Sprichwörtlich ist Himmelfahrt nicht positiv besetzt: „Das war eine ganz schöne Himmelfahrt“ – so wird oft gesagt, wenn man es hinter sich hat. Wenn der Weg umständlich, mühsam, langwierig oder schwer zu finden war – meistens alles zusammen. Woher kommt diese Redewendung? Klar, der Himmel ist weit weg – leicht wird man da nicht hinkommen - es muss daher schon mühsam sein. So werden strapaziöse Wege – ob reale oder bildliche – schon als ein Vorgeschmack auf eine solche Reise oder Fahrt gesehen.

Nächste Woche feiern wir Himmelfahrt – Christi Himmelfahrt. Ein Fest dessen Sinn sich nicht auf Anhieb erschließt. Was passierte nach Ostern? Musste da noch etwas kommen? In Zeiten wie diesen fragen wir uns oft: Wohin führt uns diese Fahrt? Wer kann einen Fahrplan liefern? Wann sind wir endlich da? Gerne würden wir sagen: Ja, das war eine Himmelfahrt, aber endlich sind wir da, wo wir hingewollt haben – aber keiner ist da, der Entwarnung gibt – und wir wissen ja selbst, das wäre grob fahrlässig.

Die Krise zeigt uns das, was eigentlich immer schon galt: Das Leben steckt voller Tücken, ist unsicher und keiner kann verlässlich sagen, was der sichere Weg ist. Müssen wir uns also auf eine „Himmelfahrt“ einstellen? Ja und nein – keiner kann sagen, wie der Weg verlaufen wird, aber es liegt an uns, mit welcher Einstellung wir ihn beschreiten. Wir können uns sorgenvoll und ängstlich auf einen umständlichen, mühsamen, schwierigen und langwierigen Weg begeben – stöhnen und jammern und ständig fragen „wann sind wir endlich da“ oder…? Oder wir versuchen es mit einer „Fahrt ins Blaue“ – Das Leben ist immer Abenteuer, wir wissen nicht, wie es verläuft (meistens anders als wir denken) – lassen wir uns auf das Leben ein und vertrauen wir.

Himmelfahrt – das ist das Bild, das die ersten Christen benutzten, um zu sagen: Auch wenn ihr den Auferstandenen nicht so erlebt wie die ersten Zeugen – ihr seid nicht allein gelassen, durch das Gebet seid ihr mit Gott verbunden und könnt ihm vertrauen. Jetzt ist noch nicht Himmelfahrt – der kommende Sonntag ist dem Gebet gewidmet. Und durch das Gebet könnte es uns gelingen vertrauensvoll in die Zukunft zu blicken und uns der Ungewissheit stellen. Gebet als Lebenshaltung – dankend für das, was uns das Leben an Gutem schenkt und bittend für die Kraft, denen beizustehen die am Leben verzweifeln. Die Fahrt ins Blaue bleibt ein Abenteuer – wir bestreiten es aber nicht allein.

„Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ (Matthäus 28, 20) Mit diesem Satz aus dem Munde Jesus beendet Matthäus sein Evangelium und schickt uns auf den Weg, den Jesus vorgelebt hat.

Martin Gebhardt