Jesus Christus spricht

„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Geschwistern, das habt ihr mir getan."
Mt 25,40b

Menschen zu helfen, das ist für den christlichen Glauben das Entscheidende. Wer Hilfe braucht, der sollte sie in der Kirche und bei der Diakonie finden. Das ist bei uns in Wuppertal – nicht anders als anderswo – auch bei den Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen, etwas Selbstverständliches. Und nicht selten wird das beim Bitten um eine Unterstützung auch ins Spiel gebracht: „Aber Ihr seid Kirche – Ihr müsst mir etwas geben!“

Helfen, richtig helfen, das ist nicht einfach. Da reicht es nicht, einen Lebensmittelgutschein oder ein paar Euro zu geben. Das kann einen kurzfristigen Engpass lindern, aber es ist keine dauerhafte Lösung.

„Wie soll ich mit dem wenigen, das Du mir anbietest, leben können? Gib mir mehr!“  Die Erwartung einiger ist, durch Druck und Forderung das zu bekommen, was sie wollen.

Im fünften Jahr als Seelsorger in der Wohnungslosenhilfe kenne ich das Hilfesystem von Diakonie, Caritas und Stadt recht gut. Wenn ich um Hilfe angesprochen werde, dann versuche ich, die Menschen zu den richtigen Stellen zu schicken, die weiterhelfen können - sei es die Drogenberatung, die Zentrale Beratungsstelle oder das Jobcenter. Manche machen sich dann auf den Weg – andere leben nach dem Motto „Das einzig Wahre ist das Bare“

„Hab ich alles schon gemacht – Ihr müsst mir helfen!“

Richtige Hilfe braucht Fachleute und vor allem Geduld! Geduld mit Menschen, die sich mit ihrer Situation abgefunden haben und keine grundlegende Änderung ihrer Situation mehr erwarten. Manchmal müssen die Sozialarbeiterinnen regelrecht darum werben, Menschen aus ihrer miserablen Situation herauszuholen.

Nächstenliebe kann nicht heißen, einfach das zu tun, was erwartet wird. („Ihr habt Geld, ich nicht, also gebt mir“.)

Ein gutes Herz allein reicht nicht – Hilfe darf den Menschen nicht aus seiner Eigenverantwortung entlassen. Wir können die Wege zu einem besseren Leben aufzeigen, vielleicht auch ein Stück mitgehen, aber gehen muss sie jeder selbst.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir nicht müde werden, mit Phantasie und Herz die Nächstenliebe zu leben, die auch Leben verbessert.

 

Bleiben Sie hoffnungsvoll!

Ihr Martin Gebhardt

Martin Gebhardt ist Seelsorger in der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Wuppertal und Pastor in der Ev. Kirchengemeinde Wuppertal-Elberfeld-West.