Gottes Segen in Corona-Zeiten

Digitale Andacht mit Pastorin Iris Fabian. Die Reihe unserer Online-Andachten gibt Halt und Mut in dieser schweren Zeit der Corona-Pandemie.

Im Altenzentrum Gemarker Gemeindestift in der Hugostraße gab es jetzt vier Wochen lang Huhn. Nicht als Menüvorschlag auf der Speisekarte der Caféteria, wo die Senioren ihre Mahlzeiten einnehmen. Sondern quicklebendig im Garten hinter dem Haus. Genauer gesagt waren es fünf Hühner. Allesamt Hennen, die zusammen mit einem Hühnerstall, einem automatischen Türöffner, einem Geflügelzaun, einem Wasserautomaten, einem Futterautomaten und einem Sandbad für die Dauer eines Monats gemietet worden waren. Der Vermieter, eine kleine Firma in Ratingen, richtet sich mit seinem Angebot an Privatpersonen, aber auch an Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Seniorenheime, die mit einem Hühnergehege ein Stück Landidylle um sich herum schaffen möchten. Und die sich jeden Tag auf frisch gelegte Eier aus dem eigenen Garten freuen. Dazu heißt es allerdings in den Vertragsbestimmungen, dass der Vermieter nicht für Legepausen der Hennen und das daraus entstehende Ausbleiben von Eiern haftet.

Als ich von diesem Passus in den Vertragsbedingungen gehört habe, musste ich innerlich schmunzeln. Ob sich tatsächlich jemals einer wegen ungelegter Eier bei der Hühnervermietung beschwert hat? So wie sich die Israeliten damals bei Aaron und Mose beschwert haben. Die Israeliten haben sich lautstark beklagt, als sie nach ihrem Auszug aus Ägypten in der Wüste waren und nichts mehr zu essen hatten. In Ägypten waren sie Sklaven gewesen, die für ihre ägyptischen Herren hart arbeiten mussten. Aber auch wenn sie unfrei waren, mussten sie nicht hungern. Die Fleischtöpfe in Ägypten waren immer gut gefüllt gewesen. Jeden Tag gab es Brot genug für alle. Jetzt waren sie auf dem Weg in ein Land, das Gott der Herr ihnen versprochen hatte. Ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Doch was nützte ihnen ihre Freiheit und die Verheißung von Land und Nahrung, wenn sie hier, in der Wüste, verhungern mussten? War das nicht zum Verrücktwerden?

Es ist doch zum Verrücktwerden. Das mag mancher in der gegenwärtigen Lage denken.  Schon wieder ein Lockdown, wegen Corona. Schon wieder wird das öffentliche Leben heruntergefahren. Am 30. Oktober 2020 hat der nordrhein-westfälische Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann, eine entsprechende Verordnung unterzeichnet. In einzelnen Bereichen fallen die Regelungen zur zeitlichen Beschränkung von Aktivitäten unterschiedlich aus. Konzerte und Aufführungen in Theatern, Opern- und Konzerthäusern, in Kinos sowie der Betrieb von Museen, Kunstausstellungen, Galerien, Burgen, Schlössern, Gedenkstätten und ähnlichen Einrichtungen ist bis zum 30. November unzulässig. Musikfeste, Festivals und ähnliche Großveranstaltungen sind bis mindestens zum 31. Dezember 2020 untersagt. Der Freizeit- und Amateursportbetrieb in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Fitnessstudios, Schwimmbädern und ähnlichen Einrichtungen ist bis zum 30. November unzulässig. Sportfeste und ähnliche Sportveranstaltungen sind bis zum 31. Dezember 2020 untersagt.

Eine Beschränkung gibt es auch für den Zugang zu einer Einrichtung, die als Hilfe für uns Menschen gemacht ist: Der Segen Gottes.

Gottes Segen kommt nicht zu uns wie das Futter aus dem Futterautomat zu den Hühnern im Stall. Es gibt keinen Automatismus, Gottes Segen ist nicht dann für uns da, wenn wir ihn gerne hätten. Gott allein entscheidet, wen er segnet und wann er ihn/sie segnet. Das hungernde Volk Israel hat bei seiner Wanderung durch die Wüste Gottes Segen erfahren: „Und es geschah am Abend, da kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager“ (2. Mose 16,13). Auf einmal war für die Israeliten Nahrung da, Nahrung in Gestalt von Wachteln. Die Zahl der Hühnervögel war so groß, dass alle davon aßen und satt wurden. Um Gott zum Handeln zu bewegen, hat Israel etwas getan, das auch wir tun können: Gott unsere Not klagen, unsere Not wegen Corona. Die hohen Infektionszahlen, eine Zunahme an Sterbefällen, die Überlastung der Krankenhäuser, die Dummheit der Corona-Leugner, der Wegfall von Jobs und Einkommen, die finanziell angespannte Lage vieler Haushalte. Vielleicht geschieht dann eines Tages Unerwartetes: Gott greift in unser Leben ein und segnet uns. Wie Gottes Segen in unserem Leben aussehen wird, das kann im Voraus niemand wissen. Nur eines ist gewiss: Gottes Segen ist für uns Menschen immer mit Heil verbunden. Und noch etwas ist gewiss: Jesus Christus, unser Heiland, lässt es sich nicht nehmen, uns Gottes Segen persönlich zu überbringen, Corona hin – Corona her.

Wenn das kein Segen ist!


Text: Iris Fabian, Pastorin der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal
20. November 2020