Gedanken zu Christi Himmelfahrt

Digitale Andacht mit Pastorin Iris Fabian, Seelsorgerin in der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal. Unsere Reihe unserer Online-Andachten in der schweren Zeit der Corona-Pandemie.

Foto: Diakonische Altenhilfe Wuppertal / Bettina Osswald

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Schwestern und Brüder,

10-9-8-7-6-5-4- … Der Countdown läuft, die letzten Sekunden werden heruntergezählt. Dann kommt die Zündung. Die Rakete erhebt sich in die Luft, erst langsam, fast gemächlich. Dann nimmt sie Fahrt auf, steigt schneller und gewinnt mehr und mehr an Höhe. Bald kann man sie mit bloßem Auge vom Boden aus nicht mehr sehen. Nur der helle Schweif, den die Rakete hinter sich her zieht, lässt erahnen, wo sie sich auf ihrem Weg ins All gerade befindet.

Dass Menschen künstlich geschaffene Maschinen in den Himmel schießen, nichts wäre den ersten Christen vor 2000 Jahren fremder gewesen als dieser Gedanke. Dass ein Mensch in den Himmel einzieht, dieser Gedanke war ihnen dagegen vertraut. Denn das war ihr fester Glaube: Jesus wurde gekreuzigt und begraben. Aber er ist nicht bei den Toten geblieben, sondern auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Viele Christen rechneten damals damit, dass Jesus bald wieder auf die Erde kommt und sie alle zu sich in den Himmel aufnimmt. Dann würden sie auf ewig mit Jesus in der Herrlichkeit Gottes vereint sein. So kann man vermuten, dass manche Gemeindeglieder damals öfter mal zum Himmel hoch geschaut haben. Ob sie nicht irgendwelche Anzeichen dafür entdecken, dass Jesus wiederkommt. Darüber verging die Zeit.

Wie sieht es heute aus? Glauben wir an dem „Christi Himmelfahrt“ genannten Feiertag, dass Christus in den Himmel aufgefahren ist? Glauben wir, dass Jesus auf die Erde zurückkommt und uns mit zu sich in den Himmel nimmt? Ist dieser Glaube überhaupt von Bedeutung? Was ist mit unserem Leben hier und heute? Zählen die Sorgen nicht, die sich jetzt viele in Zeiten der Corona-Krise machen? Sorgen, die der Gesundheit gelten. Der eigenen Gesundheit und der Gesundheit der Menschen, die einem am nächsten stehen. Sorgen, die sich auf den Arbeitsplatz beziehen. Wie es finanziell weitergeht bei Kurzarbeit oder einem drohenden Verlust des Arbeitsplatzes. Müsste der christliche Glaube nicht auch dazu etwas sagen?

10-9-8-7-6-5-4- … Der Countdown läuft. Bevor die Rakete in wenigen Augenblicken in den Himmel geschossen wird, ist sie vorher mit Treibstoff betankt worden. Ohne Treibstoff wird sie sich keinen Zentimeter von der Stelle bewegen. Im Leben von Christen ist es in gewisser Weise ähnlich. Auch sie haben einen Treibstoff bekommen, der ihnen Kraft für ihren weiteren Weg gibt: Dieser Treibstoff ist der Glaube. Der Glaube ist die Kraftquelle, die uns durch die schweren Zeiten des Lebens trägt. Wo andere verzweifeln, schenkt uns der Glaube Zuversicht. Wo andere schwach werden, gibt uns der Glaube Stärke. Wo andere alle Hoffnung fahren lassen, schenkt uns der Glaube neuen Mut.

Aber der christliche Glaube ist kein beliebiger Glaube. Es ist der Glaube an den einen Menschen Jesus von Nazareth, der gekreuzigt und begraben wurde. Und der am dritten Tage von den Toten auferstanden und nach einer Weile in den Himmel aufgefahren ist. Mit dem Verstand lässt sich das nicht fassen. Aber wer einmal versucht, mit diesem Glauben zu leben, der merkt bald: An der Botschaft ist etwas dran. Da kommt ein neuer Schwung in mein Leben. Vielleicht nicht gerade vergleichbar dem Schub einer Weltraumrakete. Aber immerhin doch stark genug, um mit den großen und kleinen Problemen meines Lebens besser fertig zu werden. 

Ich wünsche uns allen einen schönen Himmelfahrtstag,

Gottes Segen - und bleiben Sie gesund!

 

Andacht: Iris Fabian
Foto: Diakonische Altenhilfe Wuppertal / Bettina Osswald