Evangelische Paar- und Lebensberatung feiert 70-jähriges Bestehen

Seit 70 Jahren gibt es die Paar- und Lebensberatung der Diakonie Wuppertal in Wuppertal. In den herausfordernden Zeiten der Corona-Pandemie ist die Beratungsarbeit besonders stark angefragt.

70 Jahre Beratungsarbeit der Diakonie Wuppertal ist ein Grund zum Feiern. „Wir freuen uns über dieses hohe Jubiläum, und ich kann sagen, dass ich stolz auf viele Jahre des Wachsens blicke. Die Evangelische Beratungsstelle ist ihren Grundwerten immer treu geblieben, auch sind wir stolz darauf, eine der ältesten Beratungsstellen in Deutschland zu sein“, sagt Margret Stobbe, Leiterin der Evangelischen Beratungsstelle. Wie in vielen anderen Bereichen auch ist ein großes Fest mit und für alle Beteiligten und Interessierten aufgrund der Corona-Pandemie dieses Jahr leider nicht möglich. Margret Stobbe und ihr Team haben aber die feste Hoffnung, die Feier nachholen zu können.
Diakoniedirektor Pfarrer Dr. Martin Hamburger gratuliert zu diesem besonderen Jubiläum: „Wir dürfen stolz sein auf die Aufbauarbeit und Weiterentwicklung der Beratungsstelle. Ein besonderer Dank geht dabei an Magret Stobbe und ihr Team für die engagierte und kompetente Beratungsarbeit, insbesondere auch in Zeiten von Corona. Sie sind jeden Tag mit Herzblut und vollem Einsatz für die Menschen in unserer Stadt da.“

Die Pandemie stellt sowohl die ratsuchenden Menschen als auch die Mitarbeitenden der Beratungsstelle vor besondere Herausforderungen. „Die Menschen erleben, dass vieles von dem, was normal und sicher erschien, plötzlich in Frage gestellt ist. Sie machen sich Sorgen um ihre Gesundheit und um die berufliche Zukunft. Mitarbeitende aus der Pflege, dem Einzelhandel und anderen sozialen Berufen sind bis an ihre Belastungsgrenze eingespannt; die schulische Situation und die Betreuungssituation der Kinder besorgt viele Eltern. Die geforderte soziale Distanz belastet die Menschen, nicht selten können dann Kleinigkeiten zu einer Eskalation führen“, so Magret Stobbe. Deshalb werden die Beratungsangebote von den Mitarbeitenden auch in Zeiten von Corona aufrechterhalten, einzig die Gruppenangebote können nur durchgeführt werden, wenn es die Infektionszahlen erlauben. Die Beratungsstelle hat ein umfangreiches Hygienekonzept zum Schutz der Ratsuchenden und der Mitarbeitenden entwickelt.

Die Nachfrage nach Paar- und Lebensberatung ist in Wuppertal groß, das zeigt, wie wichtig ein solches Angebot ist. „Wir können sagen,“ so Bärbel Hoffmann, Geschäftsführerin der Diakonie Wuppertal - Kinder-Jugend-Familie gGmbH, „dass sich die Themen in den letzten 70 Jahren kaum verändert haben.“ Trotz des gesellschaftlichen Wandels bleiben die Wünsche der Ratsuchenden nahezu gleich: Wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden, sich mitteilen und austauschen zu können. „Glücklicherweise können wir den Problemen heute mit verbesserten und differenzierteren pädagogischen und psychologischen Hilfemethoden begegnen“, sagt Bärbel Hoffmann.


 

Ein Rückblick auf 70 Jahre Evangelische Bildungsarbeit

1950 wurde in Wuppertal durch die Vorsitzende des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes mit Unterstützung von 6 weiteren Frauen die Beratungsstelle für Ehe- und Lebensfragen aufgebaut. Die Evangelische Beratungsstelle der Diakonie Wuppertal gehört somit zu einer der ältesten Beratungsstellen in Deutschland. Angestoßen durch eine Vortragsveranstaltung des Barmer Superintendenten Obendiek zum Thema „Die Ehekrise der Gegenwart und ihre Heilung“ wurde die Notwendigkeit von Beratungsarbeit in Wuppertal deutlich. Die Menschen in den fünfziger Jahren waren sehr damit beschäftigt, wieder ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und für sich und die Familie etwas aufzubauen. Da blieb wenig Raum, um über die traumatisierenden Erlebnisse während des 2. Weltkrieges zu sprechen. Oft belastete das Schweigen Partnerschaft und Familienleben.

Zum Zeitpunkt der Gründung wurde die Beratungsarbeit ehrenamtlich ausgeübt, hauptsächlich von Frauen, die als Fürsorgerinnen und Gemeindehelferinnen tätig waren. Unterstützt wurden sie zeitweise von Fachleuten mit medizinischem, theologischem und juristischem Sachverstand.

Die Beratungsstelle entwickelte sich in den nächsten Jahren unter der Leitung von Pfarrer Eckhart Ludwig weiter: Es wurden Honorarstellen geschaffen, neben Einzel- und Paargesprächen wurden Seminare, Gruppen für Alleinlebende und Vorträge angeboten. Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden wuchs.

Die Ehe- und Lebensberatung hatte ihren Wirkungsradius im Kirchenkreis Barmen und Elberfeld. Reinhold Rute prägte als Leiter gravierend in den Jahren von 1968 bis 1992 die Evangelische Beratungsstelle in Elberfeld. Langjähriger Mitarbeiter und zuletzt Geschäftsführer in der Diakonie Wuppertal Ulrich Liebner erinnert sich: „Die Beratungsstelle in Elberfeld, so wie ich sie kennengelernt habe, war zu Beginn deutlich mittelschichtsorientiert mit einer klaren Komm-Struktur und in meiner Wahrnehmung mit einem evangelikalen Schwerpunkt. Menschen aus der gesamten Bundesrepublik, die sich mit Glaubenszweifeln auseinandersetzten, fanden den Weg in die Deweerthstraße in Elberfeld“.

In der Leitung setzten Dipl. Psych. Dr. Bernd Strey, Pfarrer Uwe Leicht und Dipl. Psych. Stefan Waschlewski die Arbeit fort. Ergänzende Beratungsangebote wie die Erziehungs- und Schwangerenberatung sowie die Schwangerschaftskonfliktberatung kamen in den weiteren Jahren dazu. 2005 fusionierten die beiden Diakonischen Werke Barmen und Elberfeld und somit auch die beiden Beratungsstellen.

Seit 2012 leitet Magret Stobbe die Evangelische Beratungsstelle mit Angeboten der Trennungs- und Scheidungs-, Erziehungs- und Familien- sowie Ehe- und Lebensberatung.
„Die Finanzierung gerade der Ehe- und Lebensberatung ist und bleibt immer eine große Herausforderung“, so Bärbel Hoffmann, die seit 2019 gemeinsam mit Marion Grünhage und Thomas Bartsch für die Geschäftsführung der Diakonie Wuppertal – Kinder – Jugend – Familie gGmbH zuständig ist. Für die Fortführung der evangelischen Paar- und Lebensberatung war eine Finanzzusage des Kirchenkreises entscheidend, nicht zuletzt auch, damit dieses wichtige Angebot für die evangelischen Kirchengemeinden erhalten bleibt.

 

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Margret Stobbe / Evangelische Beratungsstelle
Tel. 0202 / 97 444 - 931
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