Ein Zeichen für die Würde jedes Menschen

Am Freitag (30.11.) wird der Menschen gedacht, die ohne Trauerfeier bestattet wurden. Warum das aus chrislicher Sicht so wichtig ist, sagt Superintendentin Ilka Federschmidt.

Am Freitag (30.11.) wird zum zehnten Mal der Menschen gedacht, die ohne Geleit und Trauerfeier bestattet wurden. Fühlen Sie sich als Kirchenkreis verantwortlich für die anonym Verstorbenen in der Stadt?
Ilka Federschmidt: Ja, das tun wir, gemeinsam mit der Katholischen Kirche und der Stadt Wuppertal. "Anonym verstorben" bzw. "unbedacht" bedeutet oft auch nicht beachtet, als wäre jemand nie dagewesen, zähle nicht. Für unseren christlichen Glauben zählt vor Gott aber jeder Mensch, und jedes Leben und Sterben wiegt schwer für ihn - und sollte es auch für uns.

Warum ist es aus christlicher Sicht ein würdiger Abschied so wichtig?
Ilka Federschmidt: Wir gehen jetzt in die Adventszeit.
Wir erinnern uns, dass Gott die Menschen so sehr liebt, dass er dafür Jesus in unsere Welt sandte, der unser Leben teilte und sein Leben für uns gab. Daran messen wir die Würde und den Wert eines Menschen, an dieser Liebe.
Mit einem würdigen Abschied auch für die unbedacht verstorbenen Menschen wollen wir ein Zeichen setzen für die Würde jedes Menschen. Damit sind die Gottesdienste zugleich ein Aufruf für das Leben: Was können wir tun, dass Menschen erst gar nicht "unbedacht" leben müssen in unserer Gesellschaft?

Welche Schicksale stehen hinter den Namen der Verstorbenen?
Ilka Federschmidt: Sehr unterschiedliche Schicksale. Da sind Menschen, die einfach nur sehr alt wurden und Freundinnen und Familienangehörige überlebt haben. Es ist keiner mehr da. Andere haben keinen Kontakt mehr zu ihren Angehörigen, haben sich im Streit auseinander gelebt oder sind ihren Familien verloren gegangen aufgrund einer Sucht oder weil es zu schwer war, mit ihnen auszukommen. Kränkungen und Schuld konnten nicht vergeben und geheilt werden. Armut spielt auch eine Rolle, Isolierung, Vereinsamung, Wohnungslosigkeit.
Manchmal haben Freundinnen und Verwandte aber auch einfach nicht rechtzeitig erfahren, dass ein Mensch gestorben ist, weil z.B. das Krankenhaus nach einem plötzlichen Sterbefall keine Bezugspersonen finden konnte. Auch das habe ich schon erlebt: Da hat eine Gruppe von Freundinnen erst über die Anzeige in der Zeitung erfahren, dass ihre Freundin tatsächlich verstorben war. Sie hatten sie vergeblich gesucht. Auch dafür ist dieser Gottesdienst wichtig.

Der Gottesdienst für Unbedachte findet am Fr., 30.11., um 17:00 Uhr, in der Gemarker Kirche an der Zwinglistraße in Barmen stat.

Sogenannte Sozialbestattungen ohne Trauerfeier finden dann statt, wenn das Ordnungsamt die Beisetzung organisiert hat, weil der Verstorbene keine Angehörigen hatte. Die Gedenkfeier werden Superintendentin Ilka Federschmidt und Stadtdechant Dr. Bruno Kurth gemeinsam mit Oberbürgermeister Andreas Mucke halten.

Foto: Archiv
Das Gespräch führte: Nikola Dünow