Andacht zur Jahreslosung 2024

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“
(1. Kor 16,14)

Ein neues Jahr hat begonnen und so mancher fragt sich: Was wird das Jahr 2024 wohl bringen? Bei uns zu Hause fängt das neue Jahr immer damit an, dass ich die Weihnachtssachen verstaue. Alles zurück in die Kartons bis zum nächsten Mal. Einen Weihnachtsbaum, also eine echte Tanne, haben wir schon lange nicht mehr. Dafür stellen wir immer einiges an weihnachtlicher Dekoration auf. Dazu gehört in jedem Jahr ein Orchester aus lauter kleinen Engelfiguren. Ich glaube, jeder von uns kennt diese kleinen, keine 6 cm hohen Figürchen aus dem Erzgebirge. Jeder Engel hat ein Paar Flügel auf dem Rücken und ist mit einem kurzärmeligen Hemdchen bekleidet, das ihm knapp über den Popo reicht. Unsere Engel haben Pausbacken und sind allesamt gut genährt. Mit speckigen Ärmchen und dicken Oberschenkeln. Von der Figur her würde ich sagen: Damen-Konfektionsgröße 46.

In dem Orchester gibt es verschiedene Instrumente. Ein Engelchen sitzt vor einer hohen Orgel und spielt Musik. Ein Engelchen bläst die Trompete, ein anderes die Querflöte. Ein Engelchen spielt auf der Harfe. Es gibt auch Streicher. Ein Engelchen spielt das Cello, ein anderes die Geige. Ein Engelchen singt vom Blatt ab. Einen Dirigenten gibt es nicht. Die kleine Gruppe kommt ohne Dirigenten aus. Jeder weiß, was er zu tun hat. Wie mag eine Musik klingen, die von einem Engelorchester gespielt wird? Ich könnte mir vorstellen, dass diese Musik für die Zuhörer die reinste Freude ist. Eine Musik zum Verlieben.

Von Liebe spricht auch der Apostel Paulus. In seinem 1. Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt Paulus: Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Der Vers ist die Jahreslosung der evangelischen und katholischen Kirche für das Jahr 2024. Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Ich stelle mir vor, dass der Apostel Paulus dieses Wort von der Liebe nicht an die Korinther gerichtet hat, sondern an uns. An die Mitarbeiter der Diakonie Wuppertal. Alles, was wir tun, soll in Liebe geschehen. Ob irgendjemand von uns in der Lage wäre, das praktisch umzusetzen? Ich selber wäre es sicherlich nicht. Wenn ich morgens ins Büro komme und den Computer einschalte, dann nicht aus Liebe, sondern aus Gewohnheit. Ich lese und beantworte e-mails nicht aus Liebe, sondern weil es zu meinen Aufgaben gehört. Telefongespräche führe ich nicht aus Liebe, sondern aus einem dienstlichen Anlass. Dinge müssen geklärt werden. Ich liebe meine Arbeit als Seelsorgerin bei der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal, aber ich liebe nicht alles, was ich tun muss. So wie mir geht es sicherlich den meisten Mitarbeitern der Diakonie.

Alles, was Menschen tun, sollen sie aus Liebe tun. Sagt der Apostel Paulus. Das ist ein hoher Anspruch. Ein Anspruch, dem nicht jeder gerecht wird. Denn ist die Liebe nicht ein seltenes Gut? Wer kann sagen, wie sich Liebe erlangen lässt? Wer weiß, wo man sie finden kann? Ähnelt die Liebe nicht dem guten Kameraden, der einem von hinten auf die Schulter klopft? Er wird zwar von Herzen erwartet, aber sein Kommen ist dann doch überraschend.

Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe. Wie schön wäre es, wenn ich das könnte. Die Hausarbeit mit Liebe erledigen. Wäsche waschen, Wäsche aufhängen, bügeln, zusammenlegen, in den Schrank und die Schubladen einsortieren. Alles mit Liebe. Staubsaugen, die Fenster putzen, die Wohnung in Schuss halten, immer mit Liebe. Auf der Autobahn mit Liebe im Stau stehen. Es mit Liebe ertragen, wenn der Autofahrer vor mir trotz 'grün' an der Ampel nicht losfährt und nicht losfährt und nicht losfährt. Die Wahrheit ist: Es gibt Momente, da bin ich von der Liebe meilenweit entfernt. Es gibt Momente, da bin ich nur genervt oder schlimmer noch: verärgert.

Ich frage mich, ob auch Engel diese Gefühle kennen. Zum Beispiel musizierende Engel. Das Gefühl der Genervtheit, wenn trotz unzähliger Proben eine bestimmte Stelle des Musikstücks nicht gelingen will. Oder Verärgerung, wenn während des Spiels im Publikum laut geredet wird. Wie gehen Engel mit schwierigen Situationen um? Das wissen nur Engel, das weiß kein Mensch. Wir Christen aber wissen, dass wir mit allem, was uns belastet, zu Jesus kommen können. Jesus hört sich unsere Sorgen an und nimmt das Negative, das Belastende von uns. Jesus will der Dirigent sein, der unser Leben in allen Belangen mit seiner Liebe lenkt und leitet. Solange ich auf Jesus höre und tue, um was er mich bittet, gerät mein Leben nicht aus dem Takt. Auf diese Zusage will ich auch im neuen Jahr vertrauen.

Iris Fabian, Pastorin der Diakonischen Altenhilfe Wuppertal