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"Hauptamtliche Jugendarbeit erhalten"

Simone Enthöfer ist Landesjugendpfarrerin der Evangelischen Kirche im Rheinland und wohnt mit Mann und Tochter in Wuppertal-Unterbarmen.

Die rheinische Landesjugendpfarrerin Simone Enthöfer fordert eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung der kirchlichen Jugendarbeit auch in Zeiten sinkender Einnahmen. In Prioritätendiskussionen stehe Jugendarbeit häufig weit oben, solle aber nach Möglichkeit nichts kosten, kritisierte die 43-jährige evangelische Theologin in einem epd-Gespräch. „Das allerdings funktioniert nicht.“

Jugendarbeit sei „keine Bespaßung, sondern eine für Kirche und Gesellschaft wertvolle Bildungsarbeit“, betonte Enthöfer. „Das heißt aber auch, es bedarf einer flächendeckenden Professionalität.“ Jugendliche Ehrenamtliche müssten von hauptberuflich tätigen pädagogischen Fachkräften angeleitet, unterstützt, gefördert und geschult werden. Das sei manchenorts etwas aus dem Blick geraten.

Vorbildcharakter haben für die Pfarrerin Kirchengemeinden, „in denen die Jugendarbeit nicht freischwebend neben der Gemeinde läuft, sondern konzeptionell in ihrem Kern verankert ist“. Wichtig sei auch, auf die Bedürfnisse von jungen Leuten einzugehen, die den Glauben mit ihrer eigenen Kultur, Sprache und Musik leben wollten.

Dazu könnten Jugendkirchen mit Angeboten von Jugendlichen für Jugendliche beitragen, aber auch alternative Gottesdienste. „Die traditionellen Gottesdienste am Sonntagmorgen mit ihrer Liturgie, Sprache und Musik sind für viele Jugendliche ausgesprochen unattraktiv“, beobachet Enthöfer. Das Thema Jugendarbeit beschäftigt kommende Woche auch die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Jugendarbeit in der rheinischen Kirche Düsseldorf
In der Evangelischen Kirche im Rheinland sind von den 2,8 Millionen Mitgliedern mehr als 300.000 unter 15 Jahre alt. Die zweitgrößte der 22 deutschen Landeskirchen hat damit den drittgrößten Anteil an Kindern und Jugendlichen.

Etwa 120.000 Jugendliche engagieren sich nach Angaben von Landesjugendpfarrerin Simone Enthöfer regelmäßig ehrenamtlich in der Kirche. Durch regelmäßige Angebote der Kirchenkreise und Gemeinden zwischen Saar und Niederrhein werden rund 200.000 Jugendliche erreicht.

Insgesamt 213 „Offene Türen“ gibt es in der rheinischen Landeskirche. Dort sind rund 350 pädagogische Kräfte hauptamtlich beschäftigt, 163 von ihnen arbeiten auf einer ganzen Stelle. Etwa 1.400 Jugendliche arbeiten ehrenamtlich bei den „Offenen Türen“ mit.

Nicht Bespaßung, sondern Bildungsarbeit
Drei Fragen an die rheinische Landesjugendpfarrerin Simone Enthöfer

Die Bedeutung der Jugendarbeit für die Kirchen muss sich nach Ansicht der rheinischen Landesjugendpfarrerin Simone Enthöfer auch in der finanziellen Ausstattung widerspiegeln. In Prioritätendiskussionen stehe Jugendarbeit häufig weit oben, solle aber nach Möglichkeit nichts kosten, kritisiert die 43-jährige evangelische Theologin in einem epd-Gespräch. Jugendarbeit müsse in den Kirchengemeinden konzeptionell verankert sein. Das Thema beschäftigt kommende Woche die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr.

epd: Wie können Jugendliche heute von der Kirche erreicht werden? Zwar lassen sich noch recht viele konfirmieren, aber danach tauchen sie im Gemeindeleben kaum noch auf.
Enthöfer: Das stimmt so nicht. In der evangelischen Jugendarbeit werden einer Studie zufolge rund zehn Prozent aller Jugendlichen erreicht. Aber nicht alle kommen regelmäßig in feste Gruppen oder in die Gottesdienste, sondern besuchen eher punktuelle Angebote wie die offene Tür Arbeit im Jugendkeller, die Ferienfreizeiten für Jugendliche oder zeitlich begrenzte Projekte. Immer weniger Jugendliche können oder wollen sich langfristig an bestimmte feste Gruppenangebote binden.

Außerdem sind die traditionellen Gottesdienste am Sonntagmorgen mit ihrer Liturgie, Sprache und Musik für viele Jugendliche ausgesprochen unattraktiv. Zum Glück gibt es Gemeinden, die dieses Faktum zur selbstkritischen Reflexion nutzen und neben den traditionellen Gottesdiensten am Sonntagmorgen weitere alternative Gottesdienste anbieten, die übrigens häufig nicht nur von Jugendlichen besucht werden.

epd: Was macht eine gute Jugendkirche aus?
Enthöfer: An erster Stelle, dass wirklich Jugendliche die Akteure sind, die in ihren Anliegen unterstützt und begleitet werden. Jugendkirche ist ein spirituelles Angebot von Jugendlichen für Jugendliche, das über den Rahmen der Gottesdienstgestaltung hinaus geht. Jugendliche leben in ihren Räumen Spiritualität, die durch ihre Kultur, ihre Sprache und Musik, ihr theologisches Verständnis und ihre ästhetischen Vorstellungen geprägt ist. Jugendkirchen sind immer eingebunden in Kirchenkreise, Gemeindeverbünde oder einzelne Gemeinden.

Vorbildcharakter haben für mich solche Gemeinden, in denen die Jugendarbeit nicht freischwebend neben der Gemeinde läuft, sondern konzeptionell in ihrem Kern verankert ist. Manchmal erkennt man es daran, dass Jugendliche und junge Erwachsene auch in den Entscheidungsgremien, wie etwa Presbyterien vertreten sind.

epd: Einerseits betonen die Kirchen die besondere Bedeutung der Jugendarbeit, andererseits sparen sie gerade in diesem Bereich massiv. Wie kommt es zu diesem Widerspruch?
Enthöfer: Jugendarbeit ist landauf, landab ein wichtiges Thema. Denn Jugendliche sind nicht nur die Zukunft der Gemeinden, sondern prägen auch ihre Gegenwart. Eine missionarische, einladende Gemeinde ist nur schwer ohne Kinder und Jugendliche zu denken. Daher rangiert die Jugendarbeit in Prioritätendiskussionen häufig auf den oberen Rängen, aber sie sollte nach Möglichkeit nichts kosten. Das allerdings funktioniert nicht.

Jugendarbeit ist keine Bespaßung, sondern eine für Kirche und Gesellschaft wertvolle Bildungsarbeit. Mit ihrem ganzheitlichen Bildungsverständnis ergänzt sie insbesondere die schulische Bildung. Das heißt aber auch, es bedarf einer flächendeckenden Professionalität. Jugendliche Ehrenamtliche müssen von hauptberuflich tätigen pädagogischen Fachkräften angeleitet, unterstützt, gefördert und geschult werden. Das ist manchenorts etwas aus dem Blick geraten.

text: epd/epd-gespräch: sabine damaschke/ör-wj

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