Diakonie RWL
Chancen für Kinder

Pfarrer Prof. Dr. Uwe Becker
Der leichte Rückgang von armen Kindern in Nordrhein-Westfalen (NRW) ist nach Einschätzung der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe kein Anlass zur Entwarnung. Dass ein Haushalt nicht mehr Hartz IV beziehe, bedeute noch nicht, dass sich die Familie schon eine größere Wohnung oder ein Auto leisten könne oder Kinder mehr fördern könne, sagte der Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, Pfarrer Prof. Dr. Uwe Becker, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Düsseldorf. Armut baue sich langsam auf und baue sich nur in kleinen Schritten wieder ab. „Bis daraus eine Situation für Kinder entsteht, bei der man nicht mehr von Armut reden kann, das dauert Jahre“, erläuterte Becker.
Auch fallen aus der Statistik laut Becker viele Menschen, die zwar Anspruch auf ergänzende Sozialleistungen haben, diese aber nicht in Anspruch nehmen. Da gebe es eine hohe Dunkelziffer, erklärte der Vorstand des Diakonieverbunds des flächenmäßig größten Bundeslandes. Gerade in dem Bereich der geringfügig Beschäftigten und der erzwungenen Teilzeitarbeit gebe es die Tendenz, dass sich Armutstendenzen verfestigten und verbreiterten, beklagte der evangelische Theologe. Das zeigten etwa steigende Antragszahlen bei Härtefallfonds. „Auch bei den Schuldnerberatungsstellen gibt es enorme Wartelisten von Leuten, die in Privatinsolvenz oder überschuldet sind.“ Die schlechteren Werte für NRW liegen nach Einschätzung Beckers an vielen strukturschwachen Regionen in NRW mit hoher Arbeitslosigkeit und vielen Migranten. In NRW ist in den fünf Jahren von September 2006 bis September 2011 die Zahl der auf staatliche Grundsicherung angewiesenen Kinder von 471.680 um 7,9 Prozent auf 434.515 zurückgegangen, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag erklärte. Damit liegt NRW deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 13,5 Prozent. Nötig ist nach Auffassung Beckers „eine Mindestlohn-Kultur“, damit Arbeitnehmer so bezahlt würden, dass auch für Kinder ein Leben ohne Armut möglich sei. Kinder in armen Familien müssten zudem nicht nur über Geld gefördert werden. „Wichtig ist auch ein kostenfreier Zugang zu Pädagogik, Kultur und Sport für Kinder“, sagte Becker. Allerdings würden angesichts von überschuldeten Kommunen die Hürden etwa für eine freie Nutzung von öffentlichen Schwimmbädern zur Zeit eher erhöht..
text: epd-west/ör-mg
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